events — 28.09.2006 ★

Klassik und Rock

Do, 28. September 2006; Miller’s Studio, 8008 Zürich
Silvina Alvarez, Alessandro Eusebio und Lucas Gonzalez vom Conservatorio della Svizzera Italiana
sowie die Band «Aggressive Sound Painters» aus Zürich

Bericht zur Veranstaltung:

Wie begeistert man Jugendliche für klassische Musik, die diese für langweilig halten oder für etwas, das man nur bei der Grossmutter hört? Indem man ihnen die Möglichkeit gibt, diese unbekannte Musik in einem unkonventionellen und offenen Rahmen zu entdecken. Dies ermöglichte heuer schon zum zweiten Mal der Verein Youth & Classic mit einem Crossover-Konzert im Miller Studio.

Und die Jugendlichen kamen zahlreich: wegen dem Rock verkünden die Mutigeren, wegen dem Lehrer flüstern Andere. Dass die Jugendlichen am Anfang zur klassischen Musik herangeführt werden müssen, davon ist der Lehrer der Sek-B in Opfikon überzeugt und machte darum den Besuch des Konzertes für seine Klassen zum gemeinsamen Schulausflug. Neues verunsichert, an Neues muss man sich erst einmal gewöhnen. Die Aufregung ist denn auch spürbar, es raschelt und kichert. «Handy abstellen» raunt die Lehrerin und dann wird gejubelt, als die drei Studierenden des Conservatorio della Svizzera Italiana die Bühne betreten und zu spielen beginnen.

Silvina Alvarez (Bratsche), Alessandro Eusebio (Klarinette) und Lucas Gonzalez (Gitarre) spielen entspannt und feinsinnig Stücke von Gismonti, Mozart, Corelli, Piazzolla und Brahms. Nur schon hier zeigt sich, wie vielfältig, verspielt und lebensfroh klassische Musik sein kann. Und wie wenig sich die Freude an der Musik und am Musizieren an künstliche Genre-Grenzen halten muss. Das ist keine Musik einer in Furchen gelegten Dirigentenstirn, eines sich in Pose werfenden Solisten und einer in Ernsthaftigkeit erstarrten Zuhörerschaft. Hier wird klassische Musik zugänglich, weil die MusikerInnen es sind.

Nach einer kurzen Pause wird es laut mit den «Aggressive Sound Painters» aus Zürich. Und wo vorher zur Ruhe gemahnt wurde, wird nun geschrieen, gehüpft, getobt. Das Konzertprogramm landet als Papierflieger auf der Bühne. Brahms und Mozart gesellen sich zu Nu-Metal. Plötzlich steht ein Junge auf der Bühne, tanzt und singt mit vor den begeisterten Schulkameraden. Distanzen werden überbrückt, Grenzen werden durchlässig. Ein solcher Abend macht es möglich.

Text: Bettina Stehli