events — 15.11.2007 ★

Klassik und Rock: See Siang Wong & Bedlam

Do, 15. November 2007; Miller’s Studio, 8008 Zürich
See Siang Wong, Klavier
Rockband «Bedlam»

Bericht zur Veranstaltung:

Im beinahe voll besetzten Miller’s Studio warten die Gäste gespannt auf den Beginn dieses aussergewöhnlichen Konzertes. Pünktlich um 20.00 Uhr betritt der zierliche See Siang Wong die Bühne. Der sympathische junge Mann erklärt, dass er heute Abend mit dem verstaubten Image der klassischen Musik aufräumen will und dem Publikum zeigen möchte, dass eben diese Musik sehr spannend sein kann. Dabei wirkt er gar nicht wie ein äusserst erfolgreicher Pianist, der auf der ganzen Welt auf Tournee geht und schon diverse CDs aufgenommen hat. Er ist sehr publikumsnah und freut sich, der Jugend die Klassische Musik näher bringen zu können.

Als erstes wird er eine Sonate von Mozart vortragen, erklärt für die (noch) Klassik-Laien jedoch zuerst kurz die Struktur: eine Sonate besteht aus drei Teilstücken (Sätzen) und diese wiederum beinhalten jeweils zwei Themen von Mozart. Wichtig zudem für alle Laien: in den Pausen zwischen den Sätzen darf nicht geklatscht werden! Dann setzt sich See Siang Wong hin, schliesst die Augen, konzentriert sich für einen kurzen Moment und legt los.

Leidenschaftlich gibt er sich der Musik hin, lässt die Finger über die Tasten fliegen, einmal zart, als möchte er das Klavier liebkosen, dann wieder stürmisch und voller Kraft. Die Töne, die er seinem Instrument entlockt, erfüllen den Saal und ziehen das Publikum in ihren Bann. Während der kurzen Verschnaufpause zwischen den Sätzen der Sonate klatscht niemand – es haben scheinbar alle aufgepasst bei See Siang Wongs vorhergehender Erklärung. Dafür ist der Applaus am Schluss des Stücks umso stürmischer.

Als nächstes trägt er etwas von Rudolf Kelterborn, einem der bekanntesten Schweizer Komponisten der Neuzeit, vor. Dieser hat mit der Vielfältigkeit des Klaviers experimentiert und in sein Stück zahlreiche «Special Effects» eingebaut: See Siang Wong greift in das Klavier hinein, zupft an den Saiten des Klaviers, haut dann wieder in die Tasten nur um gleich darauf einen Stift ins Innere des Instrumentes zu werfen. Er entlockt dem Klavier Töne, die mehr an Hintergrundmusik in einem bizarren Krimi erinnern als an melodiöse Klassische Musik.

Zum Schluss trägt See Siang Wong noch ein Stück von Claude Debussy vor und entführt das Publikum auf eine Reise durch den Fernen Osten. Beinahe werden die Mönche, die den Gong schlagen und die Dächer der unzähligen Pagoden sichtbar, die das Lied so schön beschreibt. Jung und Alt sind begeistert, und so gibt der talentierte Pianist noch eine Zugabe (Nocturne von Chopin). Sein Wunsch, dem Publikum die Vielfältigkeit der Klassischen Musik näherzubringen und gleichzeitig die hörbaren Unterschiede zwischen alter und moderner Klassik aufzuzeigen, ist ihm gelungen.

Nach einer kurzen Pause beginnt der zweite Teil des Konzertes, zu dessen Zweck ein Teil der Stühle weggeräumt wurde. Nun hat es Platz zum Tanzen. Und dann betritt auch schon Bedlam die Bühne. Die aus fünf jungen Männern bestehende Rockband ist das pure Gegenteil von See Siang Wong. Mit Schlagzeug, elektrischen Gitarren und Bass bewaffnet heizen sie dem Publikum ordentlich ein. Am Anfang erinnert die Musik kurz an die berühmte Grunge-Band Nirvana, doch dann wird schnell klar, dass die Jungs ihren ganz eigenen Stil haben. Manchmal sanft, dann wieder hart tragen sie ihre Stücke vor und beweisen den Zuhörern, dass sie längst nicht mehr die Vorstadt-Keller-Band sind, mit der alles begonnen hat. Vor allem die Jungen im Saal sind hell begeistert und geniessen die Musik.

Der rundum gelungene Abend endet um ca. 22.30 Uhr und beim verlassen des Saals sind mehrheitlich zufriedene Gesichter zu sehen. Die meisten werden wohl beim nächsten Konzert in einem Jahr auch wieder anwesend sein.

Text: Natalie Lack